Die Wetterstation

Seit 1. August 2004 werden an der privaten Wetter- und Klimastation Bocholt (Stadt) umfassend Wetter- und Klimadaten der wichtigsten klimatologischen Parameter nach offiziellen Richtlinien erfasst. Dazu gehören Lufttemperatur und Luftfeuchte in 2 m (Strahlungsschutzhütte), Lufttemperatur in 5 cm, Luftdruck, Erdbodenzustand, Schneehöhe und Niederschlag (Summe, Art, Dauer). Außerdem werden besondere Wetterereignisse wie Starkregen, Schnee, Graupel, Hagel, Nebel, Gewitter, Sturm- und Orkanböen ausführlich dokumentiert. Der Eigentümer und Betreiber der Station ist der Bocholter René Fischer. Seit 2006 existiert der Internetauftritt www.bocholtwetter.de.

Seit März 2014 ist eine elektronische Messstation vom US-amerikanischen Hersteller Davis in Betrieb, die ins Messnetz der MeteoGroup Deutschland GmbH (vormals Meteomedia AG) eingegliedert ist. Aufgrund der Kooperationspartnerschaft können die Messdaten dieser Station nicht auf dieser Internetseite veröffentlicht oder auf Anfrage abgegeben werden. Aktuelle Daten sind unter Aktuelle Messwerteauf der MeteoGroup-Messnetz-Seite und bei Wetter24.de abrufbar.

Wenn Sie mehr über die private Wetterstation Bocholt erfahren möchten, schauen Sie doch einfach einmal vorbei! Nach Absprache sind Stationsbesichtigungen möglich.

        


  

Geografische Lage

Über die Region

Die Stadt Bocholt (Kreis Borken) liegt im westlichen Münsterland an der niederländischen Grenze und ist mit über 70 000 Einwohnern nach Münster und Rheine die drittgrößte Stadt des Münsterlandes und regionales Mittelzentrum.

Der Raum Bocholt zählt noch vollständig zum Landschaftsraum „Niederrheinisches Tiefland“, befindet sich jedoch unmittelbar an der Grenze des mehr oder weniger fließenden Übergangsbereichs zur „Westfälischen Bucht“ und damit sozusagen „zwischen Niederrhein und Münsterland“, sodass hier eine genauere landschaftliche Differenzierung vorgenommen werden muss.

Der westliche Teil des Stadtgebiets gehört dem Naturraum „Isselebene“ an. Hier ist es sehr flach mit Höhenlagen zwischen 15 und 25 m über Meereshöhe und der Grundwasserpegel liegt sehr hoch. Weideland, Wiesen und einzelne Ackerflächen dominieren das Landschaftsbild, wobei teilweise erst Entwässerung die landwirtschaftliche Nutzbarkeit ermöglicht. Nach Osten hin schließt sich der Naturraum „Niederrheinische Sandplatten“ an. Das Gelände steigt leicht von Höhenlagen um 25 m (Stadtmitte) bis nahe 50 m (Barlo, Biemenhorst) an und geht über in die bekannte „Münsterländer Parklandschaft“, die von einem abwechslungsreichen Mix aus Ackerflächen, Wiesen, Hecken, kleineren Wäldern und verstreuten Höfen gekennzeichnet ist. Südöstlich von Bocholt beginnt der Naturpark „Hohe Mark“, der als Naherholungsgebiet und Ferienregion bekannt ist.

Stationsstandort und lokale Besonderheiten

Die private Wetterstation liegt in einer Gartenanlage einer Wohnsiedlung im Westen des geschlossenen Stadtgebiets auf 24 m über Normalhöhennull. Die Entfernung zum Stadtzentrum beträgt rund 1,25 km, zur westlichen Bebauungsgrenze 400 bis 500 m.

Aufgrund der städtischen Lage machen sich insbesondere bei der Lufttemperatur Unterschiede gegenüber dem ländlichen Umland bemerkbar. Während die Temperaturunterschiede bei durchmischungsstarken oder strahlungsarmen Wetterlagen vernachlässigbar sind, liegen bei strahlungsreichen Hochdruckwetterlagen vor allem die Abend-, Nacht- und Frühtemperaturen in der Stadt gelegentlich 1 bis 2 Kelvin (K), teilweise bis 3 K über den Werten des ländlichen Umlandes. Dieser Effekt ist auf die nächtliche Wärmeabstrahlung der Häuser und zahlreichen versiegelten Flächen zurückzuführen (Stadtklima). An exponierten Standorten im ländlichen Umland, wie z. B. in Mulden und Senken, in denen sich bodennahe Kaltluft optimal ansammeln kann, werden bei besonderen Wetterlagen zum Teil sogar 4 bis 5 K niedrigere Werte als in der Bocholter Stadt gemessen.

     


       

Regionale Klimaverhältnisse

Das Klima des Niederrheinischen Tieflands und der Westfälischen Bucht ist aufgrund der geringen Höhenlage und der zum Meer nach Westen und Nordwesten hin offenen, barrierefreien Landschaft ohne abschirmende, schützende Gebirgszüge verhältnismäßig maritim geprägt. Der ausgleichende Einfluss des Atlantiks und der Nordsee ist in allen Jahreszeiten spürbar. Mit den am häufigsten vorkommenden südwest- bis westlichen Winden werden ozeanische, feuchte und wolkenreiche Luftmassen herangeführt, die die Witterung im Winter mild und im Sommer mäßig warm gestalten.

Alle im Folgenden angegebenen langjährigen Mittelwerte beziehen sich – wenn nicht anders angegeben – auf die aktuell gebräuchliche klimatologische Referenzperiode 1981-2010.

Lufttemperatur

Die Jahresmitteltemperatur beträgt für den Standort Bocholt-Liedern (Wasserwerk) 10,1 °C, für den Standort Bocholt (Stadt) 10,5 °C.

Die Winter im Niederrheinischen Tiefland sind neben der unmittelbaren Nordseeküste und den Ostfriesischen Inseln die mildesten von ganz Deutschland, wenn man von den Ballungsräumen am Rhein von Köln/Bonn bis nach Duisburg absieht. Die Monatsmitteltemperatur im Januar beträgt 2,6 °C [Bocholt (Stadt): 2,8 °C]. Bei Hochdrucklagen über der Nordsee treten häufig Inversionswetterlagen mit Hochnebel auf, bei Hochdruckeinfluss aus Osten erreicht kontinentale Kaltluft aufgrund der natürlichen Barriere der deutschen Mittelgebirge die Region nur in abgeschwächter Form. Strenger Frost unter -10 °C ist daher vergleichsweise selten. Temperaturen unter -15 °C sind nur bei Vorhandensein einer Schneedecke möglich.

Im langjährigen Mittel gibt es ca. 116 kalte Tage (Tageshöchsttemperatur unter 10 °C), ca. 52 Frosttage und ca. 10 Eistage (Dauerfrosttage).

Die Sommer sind warm gemäßigt. Die Monatsmitteltemperatur im Juli liegt bei 18,3 °C [Bocholt (Stadt): 18,9 °C]. Eine relative Unbeständigkeit der Sommerwitterung ist typisch, da kühlere Luftmassen von Nordwesten her ungehindert heranströmen können. Hitzewellen sind daher meist nur von kurzer Dauer und sehr heiße Tage mit über 35 °C treten nur selten auf. Bei süd- bis südwestlicher Anströmungsrichtung fließen bisweilen recht feuchte Luftmassen heran, die Schwüle mit Taupunkttemperaturen über 20 °C und Gewitter verursachen können. Häufig sind ebenfalls West- oder Nordwestlagen, bei denen sich kräftige Regenschauer und Gewitter bilden.

Im langjährigen Mittel gibt es ca. 96 warme Tage (Tageshöchsttemperatur mindestens 20 °C), ca. 34 Sommertage (mindestens 25 °C), 6 bis 7 heiße Tage (mindestens 30 °C) und ca. 22 Gewittertage (Tage mit hörbarem Donner).

Niederschlag

Die Jahresniederschlagssumme beträgt in Bocholt (Stadt) ca. 812 Millimeter (mm) bzw. Liter pro Quadratmeter (L/m²). Mit dem Anstieg des Geländes von Westen nach Osten geht auch eine Zunahme der Jahresniederschlagssummen einher: So liegen die Jahressummen im Westen des Stadtgebiets (Ortsteile Suderwick und Liedern) bei rund 780 L/m², während im Nordosten (Ortsteil Barlo) von 830 bis 840 L/m² ausgegangen werden muss.

In allen Monaten fallen im Mittel ausreichende Niederschläge. Monatliche Niederschlagsmaxima finden sich in den drei Sommermonaten sowie im Spätherbst (November und Dezember) mit 72-75 L/m², ein Niederschlagsminimum im April mit 43 L/m². Nach der deutschen Niederschlagsklassifikation entspricht die Region damit einer Mischform aus dem im norddeutschen Tiefland vorzufindenden Sommerniederschlagstyp (Maximum im Hochsommer) und den an der Nordseeküste vorzufindenden Meerestyp (Maximum im Spätherbst).

Zur Ausbildung einer geschlossenen Schneedecke kommt es vergleichsweise selten. Im langjährigen Mittel gibt es lediglich 12 Tage mit einer geschlossenen oder durchbrochenen Schneedecke (Schneebedeckungsgrad >0,5).

Klimadiagramm_1981_2010_BOH_Stadt

    


   

Stationstechnik

Die Wetterstation ist mit hochwertigen Präzisionsinstrumenten ausgerüstet und erfüllt die internationalen Standards der World Meteorological Organization (WMO) bzw. des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

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Das Herzstück der Wetterstation ist die Strahlungsschutzhütte, auch Wetter- oder Klimahütte genannt. Nachdem viele Jahre in einer großen Englischen Wetterhütte gemessen wurde, kommt inzwischen – wie auch im offiziellen Messnetz des Deutschen Wetterdienstes – die Lamellenschutzhütte LAM 630 der Firma Eigenbrodt zum Einsatz. Die Hütte besteht aus weiß lackierten Kunststofflamellen, die eine optimale Strahlungsabschirmung und gleichzeitige Durchlüftung gewährleisten. Zusätzlich befindet sich ein kleiner Lüfter in Hütte, der einem potenziellen Wärmestau entgegenwirkt.

       

– Lufttemperatur 2 m
– Relative Luftfeuchtigkeit 2 m

Zur Messung der Lufttemperatur und relativen Luftfeuchtigkeit dienen zwei elektronische Sensoren, die sich beide in der obigen Strahlungsschutzhütte befinden. Ein Sensor gehört zur Davis-Station, der die Messdaten per Funk an eine Basisstation und einen Datenlogger überträgt. Die Basisstation wiederum ist mit einem GPRS-Modem verbunden, das die Messwerte direkt an MeteoGroup überträgt. Die aktuelle Temperatur und der Wetterzustand werden stündlich auf der Messnetz-Seite veröffentlicht (Links siehe hier). Der zweite Sensoren gehört zu einem Datenlogger, der unabhängig von der Davis-Station misst. Durch den Einsatz von getrennten Messsystemen wird eine bestmögliche Ausfallsicherheit erreicht. Die Messdaten werden in einem Intervall von einer Minute gespeichert, in regelmäßigen Abständen abgerufen und nach einer Kontrolle auf dieser Seite veröffentlicht. Alle Sensoren werden regelmäßig mit kalibrierten Referenzgeräten (Digitales Pt-100-Präzisionsthermometer, Aspirationspsychrometer nach Assmann) abgeglichen.

    

– Lufttemperatur 5 cm

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Am Erdbodenmessfeld wird das tägliche Minimum der Lufttemperatur in 5 cm Höhe über dem unbewachsenen Erdboden gemessen. Dieses dient der Erkennung von Bodenfrost, denn das Bodenminimum kann bei abstrahlungsreichen Wetterlagen 2 bis 3 K unter dem 2-m-Wert liegen – bei bestimmten Bedingungen wie beim Vorhandensein einer frisch gefallenen, isolierenden Schneedecke und völliger Windstille können sogar Unterschiede von 4 bis 6 K auftreten. Zur automatischen Messung dient ein elektronischer Sensor. Für eventuelle Datenausfälle ist noch ein manuelles Minimumthermometer vorhanden.

         

– Niederschlagshöhe (Davis)

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Die automatische Messung der Niederschlagshöhe erfolgt mit einem elektronischen Kippwaagen-Regenmesser. Bei diesem Gerät gelangt das flüssige Regenwasser auf eine Kippwaage (siehe Foto). Diese kann eine Flüssigkeitsmenge, die einer Niederschlagshöhe von exakt 0,2 mm entspricht, aufnehmen, bevor sie umkippt und einen Impuls auslöst. Aus der Impulsanzahl wird die Gesamtregenmenge berechnet.

Für den Winterbetrieb ist hier eine Heizung erforderlich, damit die festen Niederschlag im Oberteil verflüssigt werden. Diese Investition konnte bisher leider aber noch nicht getätigt werden.

      

– Niederschlagshöhe (Hellmann)

Die manuelle Kontrollmessung der Niederschlagshöhe erfolgt mit einem Niederschlagsmesser nach Hellmann, der in ähnlicher Form bereits seit den 1880er Jahren in Deutschland eingesetzt wird.

Das aus Zinkblech gefertigte Gerät besitzt eine durch einen scharfkantigen Ring exakt definierte Auffangfläche von 200 cm². Das aufgefangene Niederschlagswasser wird im Oberteil des Niederschlagsmessers durch einen Trichter in eine Sammelkanne geleitet und bei der Leerung mit einem Messzylinder auf 0,1 mm genau abgemessen. Eine Niederschlagshöhe von einem Millimeter entspricht einer Niederschlagsmenge von einem Liter pro Quadratmeter.

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Bei Schneefällen wird ein so genanntes Schneekreuz in das Oberteil eingelegt, um ein Herauswehen des aufgefangenen Schnees zu verhindern. Falls feste Niederschläge gesammelt wurden, müssen diese zur Messung erst aufgetaut werden. Dazu wird der gesamte Niederschlagsmesser zur Messung durch einen zweiten identischen getauscht und mit einem Deckel verschlossen im Haus platziert, bis der Niederschlag komplett aufgetaut ist. Dann werden diese wie flüssige Niederschläge abgemessen.

An der Wetterstation Bocholt erfolgt die tägliche Leerung wie auch im offiziellen Messnetz um 06 UTC.

     

– Luftdruck

Zur automatischen Messung und Aufzeichnung des Luftdrucks befinden sich im Haus zwei elektronische Barometer, die den Luftdruck (Barometerhöhe: 30 m ü. NHN; so genannter QFE) messen. Mithilfe der Barometerformel und unter Berücksichtigung der Umgebungsbedingungen kann der Stationsluftdruck QFE in den Luftdruck auf NN reduziert (QFF) umgerechnet werden.

 

Wenn Sie mehr über die private Wetterstation Bocholt erfahren möchten, schauen Sie doch einfach einmal vorbei! Nach Absprache sind Stationsbesichtigungen möglich.

  

  

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