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Die Wetterstation Über Bocholt Die Stadt Bocholt (Kreis Borken) liegt im westlichen Münsterland nahe der niederländischen Grenze und ist mit knapp 75.000 Einwohnern nach Münster und Rheine die drittgrößte Stadt des Münsterlandes und Mittelzentrum der Region. Landschaftlich gehört der Raum Bocholt zum Niederrheinischen Tiefland. Man kann jedoch sagen, dass sich der Raum Bocholt im Übergangsbereich zwischen Niederrhein und Münsterland befindet, sodass hier eine landschaftliche Differenzierung vorgenommen werden muss. Der westliche Teil der Region (Naturraum Isselebene) ist flach mit einer Höhenlage zwischen 15 und 25 Metern über Meereshöhe, der Grundwasserpegel liegt sehr hoch und die Böden sind vergleichsweise schwer und fruchtbar. Weideland, Wiesen und einzelne Ackerflächen dominieren das Landschaftsbild, wobei teilweise erst Entwässerung die landwirtschaftliche Nutzbarkeit ermöglicht. Nach Osten hin (Naturraum Niederrheinische Sandplatten) steigt das Gelände leicht an auf Höhenlagen von 25 bis nahe 50 Meter und geht über in die bekannte "Münsterländer Parklandschaft", die von einem abwechslungsreichen Mix aus Ackerflächen, Wiesen, Hecken, kleineren Wäldern und verstreuten Höfen gekennzeichnet ist, mit leichten, weniger fruchtbaren Sandböden. Südöstlich von Bocholt beginnt der Naturpark "Hohe Mark", der als Naherholungsgebiet und Ferienregion bekannt ist. Regionale Klimaverhältnisse Aufgrund der geringen Höhenlage und der zum Meer nach Westen hin offenen Landschaft ohne abschirmende Gebirgszüge ist das Klima der Region verhältnismäßig maritim geprägt. Der ausgleichende Einfluss des Atlantiks und der Nordsee ist in allen Jahreszeiten spürbar. Durch die häufig vorherrschenden westlichen Winde gelangt die Region oft in den Einflussbereich atlantischer Tiefdruckgebiete. Lufttemperatur Die Jahresmitteltemperatur beträgt im langjährigen Mittel (1981-2010) in Bocholt (Stadt) 10,5 Grad Celsius. (Im freien Umland liegen die Werte je nach Lage etwas niedriger.) Die Winter im niederrheinischen Tiefland sind neben der unmittelbaren Nordseeküste und den Ostfriesischen Inseln die mildesten von ganz Deutschland, wenn man von den Ballungsräumen am Rhein von Köln/Bonn bis nach Duisburg absieht. Bei Hochdrucklagen über der Nordsee treten häufig Inversionswetterlagen mit Hochnebel auf, bei Hochdruckeinfluss aus Osten erreicht kontinentale Kaltluft aufgrund der natürlichen Barriere der nördlichen Mittelgebirge die Region meist nur in abgeschwächter Form. Strenger Frost unter minus zehn Grad ist daher vergleichsweise selten. Zur Ausbildung einer geschlossenen Schneedecke kommt es ebenfalls selten. Im langjährigen Mittel 1981-2010 gibt es lediglich 12 Tage mit einer Schneedecke, 52 Frosttage und 10 Eistage (Dauerfrosttage). Die Sommer sind relativ gemäßigt. Hitzeperioden sind meist nur von kurzer Dauer, sehr heiße Tage mit über 35 Grad selten. Zeitweise fließen jedoch aus Südwesten feuchtere Luftmassen ins Rheinland ein, die unangenehme Schwüle mit Taupunkten über 20 Grad verursachen können, oder es treten West- oder Nordwestlagen auf, bei denen sich kräftige Regenschauer und Gewitter bilden. Im langjährigen Mittel 1981-2010 gibt es 34 Sommertage (Tageshöchsttemperatur mindestens 25 Grad) und 6 bis 7 heiße Tage (mindestens 30 Grad). Niederschlagshöhe Der
Jahresniederschlag im langjährigen Mittel 1981-2010 beträgt rund
803 Millimeter bzw. Liter pro Quadratmeter. Niederschlagsmaxima finden sich in den beiden Sommermonaten
Juli und August vorhanden sowie im Dezember mit
jeweils 73 bis 74 Litern pro Quadratmeter. Der im Mittel
trockenste Monat ist der
April, in dem nur rund 43 Liter pro Quadratmeter verzeichnet werden. Nach gängiger
Niederschlagsklassifikation entspricht die Region
damit einer Mischform von "Sommerniederschlagstyp" und "Meerestyp".
Die WetterstationMan muss weiterhin berücksichtigen, dass die Niederschlagshöhe naturgemäß nicht nur räumlichen, sondern auch großen zeitlichen Schwankungen unterliegt. Rund die Hälfte aller Jahre seit 1901 wiesen Niederschlagshöhen unter 700 oder über 850 Litern pro Quadratmeter auf. In den letzten Jahren lässt sich eine leicht ansteigende Tendenz der mittleren Niederschlagshöhen feststellen - trockene Jahre sind seltener geworden. Daher wurden in bisherigen Veröffentlichungen oftmals mittlere Jahresniederschlagshöhen zwischen 740 und 760 Litern genannt (bezogen auf die Referenzperioden 1971-2000, 1961-1990, 1951-1980), die anhand neuester Daten etwas nach oben korrigiert werden muss. ![]() Die Bocholter Klimareihe Seit Mitte 1945 werden in Bocholt Klimadaten erfasst. Erste Niederschlagsaufzeichnungen begannen sogar schon im Jahre 1901. Damit liegt ein umfangreiches Klimaarchiv vor. In der Anfangszeit wurden die Messdaten von einer provisorisch eingerichteten Station in Bocholt-Liedern in der ehemaligen Gaststätte "Zur Mühle" an der Werther Straße ermittelt. Zum 01.01.1954 erfolgte die Einrichtung einer hauptamtlichen Wetterwarte mitten in der Bocholter Stadt am heutigen Mariengymnasium direkt an der Bocholter Aa. Aufgrund verschlechterter Messbedingungen wurde die Wetterwarte zum 01.09.1974 zum Wasserwerk nach Bocholt-Liedern verlegt, wo die Messungen bis Mitte 2002 durch hauptamtliche Wetterbeobachter durchgeführt wurden. Nach der Automatisierung erfolgte zum 28.02.2006 die Auflösung des Standortes Bocholt und die Einrichtung einer neuen vollautomatischen Wetterstation in Ahaus-Wessum. Problematisch ist die Tatsache, dass die Standorte der Stationen im Laufe der Zeit gewechselt haben. Dadurch kommt es innerhalb der Gesamtreihe zu Brüchen, die die Vergleichbarkeit einschränken. Die Tiefsttemperatur liegt beispielsweise innerhalb der Stadt genrell etwas höher als im freien Umland. Nur durch aufwendige Homogenisierungen lassen sich die an den unterscheidlichen Standorten gemessenen Daten vergleichen. Der Klimawandel vor Ort Der globale Klimawandel zeigt sich auch vor Ort in der Bocholter Klimareihe. Seit Aufzeichnungsbeginn im Jahre 1945 ist vornehmlich eine kontinuierliche Temperaturerhöhung feststellbar: Die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur ist seitdem um etwa ein Grad angestiegen. Dabei zeigt sich in allen Monaten ein Trend zu höheren Temperaturen. Besonders von der Erwärmung betroffen sind die Frühlingsmonate März und April sowie der Juli, nur geringfügig hingegen September, Oktober und Dezember. Markante Veränderungen zeigen sich auch bei den klimatologischen Ereignistagen. Je nach Betrachtungszeitraum ergeben sich sehr unterschiedliche Durchschnittswerte. Die mittlere jährliche Anzahl der Sommertage ist um rund fünfzig Prozent angestiegen, die der heißen Tagen hat sich sogar verdoppelt. Eine leichte Abnahme ist bei den Frost- und Eistagen sowie Tagen mit einer Schneedecke zu verzeichnen. Seit 1. August 2004 werden an der privaten Wetter- und Klimastation Bocholt tägliche Beobachtungen nach den offiziellen synoptisch-klimatologischen Beobachtungsrichtlinien durchgeführt, bei denen die wichtigsten klimatologischen Messgrößen wie Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit in 2 m Höhe (Klimahütte), Lufttemperatur-Minimum in Erdbodennähe (5 cm Höhe), Erdbodenzustand, Schneehöhe, Niederschlagshöhe, Niederschlagsart, Bedeckungsgrad, Wolkengattungen, Windrichtung und Windstärke erfasst werden. Die Messgrößen Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit werden zusätzlich laufend mit konventionellen Registriergeräten sowie elektronischen Datenloggern aufgezeichnet, sodass hier eine noch deutlich höher auflösende Messreihe gegeben ist. Betreiber der Wetterstation ist der Bocholter René Fischer. Zum 1. März 2006 wurde zwecks lokaler Vergleiche eine weitere Niederschlagsstation im Hamminkelner Ortsteil Dingden eingerichtet. Stationslage und lokale Besonderheiten Die private Wetterstation liegt in einer Gartenanlage im südlichen Teil der Löverick-Siedlung (Lagekarte) im Westen des geschlossenen Stadtgebiets. Die Entfernung zum Stadtzentrum (Kreuzung Westend/Ravardistraße) beträgt rund 1,2 km, zur westlichen Stadtgrenze der geschlossenen Bebauung 400 bis 500 Meter. Aufgrund
der städtischen Lage machen sich insbesondere bei der Lufttemperatur Unterschiede gegenüber dem
ländlichen Umland bemerkbar. Vor
allem bei strahlungsreichen, windschwachem Hochdruckwetterlagen liegen
die morgendlichen Tiefsttemperaturen in der Stadt oft um ein
bis zwei, teilweise bis drei Grad über den Werten des ländlichen Umlandes. Dieser Effekt ist auf die nächtliche Wärmeabstrahlung der
Häuser und zahlreichen versiegelten Flächen
zurückzuführen (Stadtklima). An
exponierten Standorten im ländlichen Umland, wie z. B. in Mulden und
Senken, in
denen sich bodennahe Kaltluft optimal ansammeln kann, werden bei
besonderen Wetterlagen zum Teil sogar bis etwa fünf Grad niedrigere Werte
gemessen.
Stationsausrüstung Die Wetterstation ist mit konventionellen Präzisionsmessinstrumenten ausgerüstet, die auch an den Klimareferenzstationen des Deutschen Wetterdienst (DWD) verwendet werden. Dazu gehört eine Original-DWD-Klimahütte, in der in der offiziellen Messhöhe von zwei Metern die beiden Parameter Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit gemessen werden. Zur Messung der Lufttemperatur und relativen Luftfeuchte dient ein so genanntes Aspirationspsychrometer (senkrecht). Dieses besteht aus zwei kalibrierten Quecksilber-Thermometern mit sehr hoher Messgenauigkeit, von denen das eine die normale Lufttemperatur und das andere die so genannte Feuchttemperatur anzeigt. Dazu wird das Thermometergefäß mit einem Baumwollstrumpf überzogen und mit Wasser benässt. Mithilfe eines Aspirators wird ein konstanter Luftstrom erzeugt, wodurch sich das Thermometer in einem bestimmten, von der vorherrscheden Luftfeuchte abhängigen Maße abkühlt. Aus dem Temperaturunterschied zwischen Luft- und Feuchttemperatur (sog. psychrometrische Differenz) lassen sich die relative Luftfeuchtigkeit und weitere Feuchte-Parameter wie Taupunkt und Dampfdruck bestimmen. Der Vorteil der psychrometrischen Messmethode ist, dass eine sehr hohe Genauigkeit erzielt werden kann. Zur exakten Messung der täglichen Extremwerte der Lufttemperatur werden meteorologische Maximum- und Minimumthermometer (waagrecht; oben Max., unten Min.) eingesetzt. Diese speziellen Thermometer halten die jeweiligen Temperaturextreme präzise fest und können nachträglich abgelesen werden. Zur fortlaufenden Registrierung der Lufttemperatur und relativen Luftfeuchte werden ein Thermohygrograph (links) der Firma Lambrecht eingesetzt, der den Verlauf der beiden Parameter über eine Woche selbstständig auf Registrierpapier aufzeichnet, sowie ein elektronischer Datenlogger (rechts), der die Messdaten automatisch abspeichert. Am so genannten Erdbodenmessfeld mit einem meteorologischen Minimumthermometer das tägliche Minimum der Lufttemperatur in fünf Zentimetern Höhe über dem unbewachsenen Erdboden gemessen. Das Bodenminimum kann je nach Wetterlage ein bis drei Grade unter dem Messwert in der offiziellen Messhöhe von zwei Metern liegen und dient der Erkennung von Bodenfrost. Bei bestimmten Bedingungen wie beim Vorhandensein einer frisch gefallenen, isolierenden Schneedecke und völliger Windstille können durchaus größere Differenzen von vier bis sechs Grad im Vergleich zum Lufttemperatur-Minimum in zwei Metern auftreten. Die tägliche Niederschlagshöhe wird mit einem Niederschlagsmesser nach Hellmann gemessen, der bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland standardmäßig eingesetzt wird. Der Niederschlagsmesser besitzt eine durch einen scharfkantigen Ring exakt definierte Auffangfläche von 200 Quadratzentimetern. Das aufgefangene Niederschlagswasser wird im Oberteil des Niederschlagsmessers durch einen Trichter in eine Sammelkanne geleitet und zur Messung mit einem Messzylinder auf 0,1 Millimeter genau abgemessen. Eine Niederschlagshöhe von einem Millimeter entspricht der Niederschlagsmenge von einem Liter pro Quadratmeter. Bei Schneefällen (Pulverschnee) wird ein so genanntes Schneekreuz in das Oberteil eingelegt, um ein Herauswehen des aufgefangenen Schnees zu verhindern. Falls feste Niederschläge gesammelt wurden, müssen diese zur Messung erst aufgetaut werden. Dazu wird der gesamte Niederschlagsmesser zur Messung durch einen zweiten identischen getauscht und mit einem Deckel verschlossen im Haus platziert, bis der Niederschlag komplett aufgetaut ist. Dann werden diese wie flüssige Niederschläge abgemessen. An der Wetterstation Bocholt erfolgt die tägliche Ausleerung wie auch im offiziellen Messnetz zum Termin 06 UTC, das heißt um 7 Uhr bzw. innerhalb der Sommerzeit um 8 Uhr. Bei besonderen Niederschlagsereignissen erfolgen bisweilen auch Teilmessungen. |